Erste Hilfe auch für die Vierbeiner

Sandra Wache bringt Pilotprojekt „Hundetrainer-Ausbildung“ an den Start – Schulbank im „Waldhotel“ gedrückt

Quelle: Lippische Landes-Zeitung Nr. 267, Freitag 17. November 2006,
Text: Sylvia Frevert

Dörentrup. „Ich wollte schon immer was mit Tieren machen.“ Jutta Kapski aus Almena im Extertal ist Besitzerin einer Mischlingshündin und – wenn es nach ihrem Wunsch geht – bald Hüterin vieler Hunde. Die junge Frau hat sich gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten gerade ein Haus auf dem Land gekauft und träumt von einer eigenen Hunde-Tagesstätte.

Um das nötige Fachwissen im Umgang mit des Menschen bestem Freund zu erlangen, drückt Jutta Kapski die Schulbank im „Waldhotel“ in Dörentrup – zusammen mit zehn weiteren Hundetrainern in spe aus ganz Deutschland. Dozentin und Leiterin des Ausbildungszentrums für Hundetrainer OWL ist Ausbilderin Sandra Wache aus Altendonop.

Erste Hilfe: Tierärztin Dr. Jennifer Hirschfeld verarztet ihren Border-Collie-Rüden.

Erste Hilfe: Tierärztin Dr. Jennifer Hirschfeld verarztet ihren Border-Collie-Rüden.

Ein Blick in die bunte Runde der Zweibeiner und der von ihnen mitgebrachten Vierbeinern zeigt, dass das Interesse an Hunden vor allem eine Eigenart des weiblichen Geschlechts zu sein scheint. Neben neun Frauen macht sich lediglich ein einziger männlicher Schüler die Mühe, die acht Monate dauernde Ausbildung, die im Wechsel Präsenzwochen in Lippe und Fernstudium zu Hause vorsieht, zu durchlaufen. Zufall?

Eher nicht, vielmehr eine geänderte berufliche Ausrichtung. „Für viele ist die Ausbildung zum Hundetrainer eine Perspektive, langfristig aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen“, erklärt Sandra Wache, die ihre Hundeschule vor zehn Jahren gründete. In diesem Jahr brachte sie das Pilotprojekt „Hundetrainer-Ausbildung“ erfolgreich an den Start – so erfolgreich, dass das Seminar für 2007, sozusagen die zweite Staffel der Hundetrainer-Existenzgründer, bereits fast ausgebucht ist.

Kundenfreundlichkeit ganz wichtig

Für Wache war der Schritt von der Ausbildung der Caniden, der Hundeartigen, zum Coaching von Menschen ein recht großer und wohl überlegter. Ihr ist bewusst, dass bei einer nicht geschützten Berufsbezeichnung – und zu der gehört der Hundetrainer – die Qualität der Ausbildung ganz besonders wichtig ist. Daher hat sie den Ausbildungsplan nicht nur straff durchorganisiert, sondern auch vielfältig und abwechslungsreich gestaltet.

Training für Fortgeschrittene: Dozentin Eva Plöger mit Schäferhund Atze.

Training für Fortgeschrittene: Dozentin Eva Plöger mit Schäferhund Atze.

Von der Fährtensuche und anderen praktischen Arbeiten über den großen Bereich der Medizin mit Anatomie, Physiologie und der „Ersten Hilfe am Hund“ bis hin zum „Hund in Recht und Gesetz“ lernen die angehenden Hundetrainer alles rund um den Vierbeiner – aus berufenem Munde. Eine Tierärztin, ein Rechtsanwalt, eine Autorin und natürlich Trainerkollegen unterstützen Wache als Gastreferenten.

Und weil neben dem privaten bei den meisten Teilnehmern ein existenzielles Interesse dahinter steht, ist ein „Fach“ ganz besonders wichtig: die Kundenfreundlichkeit. „Vielseitig, rundherum auf dem neuesten Stand und kundenorientiert sein – das sind neben der Liebe zum Hund heute wichtige Voraussetzungen für einen guten Start in die Selbstständigkeit als Hundetrainer“, weiß Sandra Wache aus eigener Erfahrung. Ihren Schülern gibt sie das Rüstzeug mit. Den Traum vom Beruf des Hundetrainers zum Traumberuf machen, müssen sie allerdings selbst.